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Unsere bescheidene Selektion – das Beste der aktuellen Musik- und Kunstszene, nah und fern

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Kunst Archiv Wetzikon

Arnold Brunner Auslikon - Giesserei Honegger Wetzikon (heute Kulturfabrik) - Sammlung Kunst Archiv Wetzikon

Arnold Brunner Auslikon - Giesserei Honegger Wetzikon (heute Kulturfabrik) - Sammlung Kunst Archiv Wetzikon

Vergangene Woche öffnete das Kunst Archiv Wetzikon für ein paar Stunden seine Tore, respektive seine Luftschutzbunkertüre. Kunstsammler Walter Wittwer und seine Lebensgefährtin, die Kunstschaffende Sieglinde Wittwer-Thomas luden ein, eine Auswahl von Werken dieser Sammlung anschauen zu kommen.

Eugen Flachsmann Giesserei  Honegger Wetzikon Kulturfabrik Sammlung Kunst Archiv

Eugen Flachsmann Giesserei Honegger Wetzikon Kulturfabrik Sammlung Kunst Archiv Wetzikon

Die Ausstellung war wirklich formidabel, was die Auswahl, die Menge, die Qualität des Gezeigten und auch deren Präsentation betrifft. Etwa zehn Leute fanden sich an diesem frühen Abend dort in den Ausstellungsräumen ein, bereits mitgezählt sind dabei die Veranstaltenden und der Gast des Abends, Ulrich Suter vom Seetaler Poesiesommer. Suter war angereist um sein Projekt »Die Schweiz lesen« zu präsentieren.

Etwa zehn Leute, nun gut, Wetzikon ist natürlich auch nicht viel mehr als ein abgelegener Weiler unter vielen im Zürcher Oberland, zählt vielleicht knapp 25'000 Nasen. Und hätten es die Wetziker denn wissen können? nein, wahrscheinlich nicht, weil vielleicht ein paar e-Mails an Eingeschworene versandt, der Event aber nicht publik gemacht worden war, auch nicht auf dem Wetzik-On Portal, und wer schaute denn dort schon rein? niemand, gut. Egal, lassen wir das und machen wir doch ein paar Schritte durch dieses Kunst Archiv Wetzikon, wenn es schon einmal offen ist.

Ein Teil dieser Werke sind sozusagen gerettete, in nahen Brockenhäusern entdeckte und von Kunstsammler Walter Wittwer gekaufte. Es sind Werke von Kunstschaffenden aus der Region, die also in Wetzikon und Umgebung, im Zürcher Oberland gelebt und gewirkt haben. Da nebst Wittwer auch einige andere Gäste dieses Abends in persönlichem Kontakt zu den unterdessen verstorbenen Künstlern gestanden sind, deren Werke sich hier nach und nach wieder eingefunden haben, gab es einiges zu berichten, interessantes, teils anekdotisches zu erfahren, eben über die Region und die Herumleberei der Menschen hier.

Ulrich Suter (rechts) Seetaler Poesiesommer - Kunstsammler Walter Wittwer (hinten) - Kunst Archiv Wetzikon

Auch die Fotoalben, die Ulrich Suter vor allem mit Bildmaterial aus ETH-Archiven gestaltet und damit einzelne Gemeinden der Schweiz teils aus der Vogelperspektive teils mit historischen Fotografien porträtiert, erzählen ihren regionsspezifischen Werdegang und Ereignisse, wie Veränderungen der Bauten oder auch der Landschaftsarchitektur. Suter stellte uns die Frage, ob den ein Bildband in der Art über Wetzikon Sinn machen würde, oder ob es bereits eine Schwemme von Bildern gäbe und diese unüberschaubar sei, und so bewegte sich die Diskussion in Richtung Sinn und Unsinn des Archivierens und Dokumentierens, was ja auch das Kunstarchiv von Wittwer betrifft, der viel Zeit und Energie ins Sichten und Retten von einzelnen Werken oder Nachlässen steckt.

Irene Tobler, die in Wetzikon das Ortsarchiv und das Online Portal Wetzipedia managt, gab dieser Diskussion mit den Erkenntnissen aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Archivarin die essentiellen Stichworte und thematisierte auch den tendenziell ausufernden Aufwand, der eine sorgfältige Archivierung und Dokumentation beinhaltet. Wohin mit all diesen Zeitzeugnissen und Hinterlassenschaften einzelner, was behalten, was kommt oder muss weg, wer entscheidet, wer macht es, wer unterstützt?

Und so sind wir wieder bei diesen teils trübsinnig stimmenden Fragen, Fragen die auch den Multimedia Artist und Autor Pedro Meier aus Niederbipp alias Amrain beschäftigen, der an diesem Abend anwesend war und der dieses Jahr an diversen Veranstaltungen von Suters Seetaler Poesiesommer mitgewirkt hat. Pedro Meier hat in seinem von Kunst bestimmten Leben viele Werke geschaffen, nicht ganz alles verkauft, zählt mittlerweile achtzig Lenze und gedenkt nicht ewig unter uns verweilen zu wollen (wollen vielleicht schon, aber es geht ja nicht).

Multimedia Artist und Autor Pedro Meier aus Niederbipp alias Amrain und Irene Tobler Archivarin aus Wetzikon im Kunst Archiv Wetzikon

Multimedia Künstler und Autor Pedro Meier aus Niederbipp alias Amrain - Kunst Archiv Wetzikon

Multimedia Artist und Autor Pedro Meier aus Niederbipp alias Amrain auf seinem Gang ins Nirvana

Als ein Glücksfall in dieser Beziehung kann man da den Weg, den der Nachlass der Künstlerin Margrit Schlumpf-Portmann (gelobt, gepriesen, vergessen) fand, nennen, deren Tochter Sara Mürner auch an diesem Abend anwesend war. Schnurmalereien aber auch Objekte, Skulpturen hat Margrit Schlumpf-Portmann geschaffen, einige Exponate aus dem Nachlass sind auch Teil des Kunst Archiv Wetzikon. Zudem wurden einige ihrer Arbeiten als wert betrachtet in museale Bestände aufgenommen und in Ausstellungen integriert zu werden. Da steckt aber auch viel Engagement drin und wäre ohne die Unterstützungsleistung von professioneller Seite durch Bettina Staub, Kommunikation, Event- und Kulturmanagerin als auch Präsidentin der Visarte Zentralschweiz, nie so gut verlaufen, wie Mürner berichtete.

Gut, alle Fragen konnten an diesem Abend auch mit vereinten Kräften nicht abgearbeitet werden, so tröstete man sich anschliessend mit einem Glas ausgezeichneten Rotwein und verabschiedete sich freundlichst voneinander und verstreute sich dann im Dunkel der Nacht in etwa die Himmelsrichtungen, aus denen man gekommen war...

Text: D.T.Koller für Echo Kollektiv News // Fotografie: Vitaltransformer

ps1: Von Multimedia Artist Pedro Meier aus Niederbipp alias Amrain werden zur Zeit einige Werke im Zürcher Oberland, im Kunstraum der Chaoszentrale von Echo Kollektiv in Hinwil gezeigt. Die Finissage ist am 11. November 2022, offen ab 19:00 Uhr. Ein Konzert der Gruppe namens »Comfort« aus England (Vereinigtes Königreich) beginnt dann um ca. 21:00 Uhr. Chaoszentrale: Oberdorfstrasse 14, 8340 Hinwil

Seetaler Poesiesommer - Die Schweiz lesen - Niederbipp alias Amrain von Herausgeber und Initiant Ulrich Suter mit Beiträgen aus dem Bildarchiv der ETH Zuerich

ps 2: Das Kunst Archiv Wetzikon wäre im Web, ausser einem wenig sinnstiftenden Eintrag bei Kleio, unauffindbar, gäbe es dieses Wetzipedia nicht. Wittwer ist entweder ein ausgemachter Geheimniskrämer oder nicht fähig oder nicht willens, seine Sammlertätigkeit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dafür ein Netzwerk einzurichten. Dafür ist der Eintrag im Wetzipedia von Irene Tobler umso schöner geraten.

Auch Ulrich Suter (aus Schongau) lebt lieber in der Vogelperspektive als in der zugegebenermassen teils widrigen Postmoderne und der einhergehenden Digitalisierung, sprich, keine Webseite, nichts. Immerhin gibt es dieses (zwar ein wenig kuriose) Portal »Worte malen«, dort sind die jeweiligen Veranstaltungen seiner Seetaler Poesiesommer Veranstaltungen aufgeführt. Möchten sie einen aus Suters ausgesprochen sorgfältig gestalteten Reihe »Die Schweiz lesen« Bildband mal anschauen, bestellen, vielleicht kaufen? Dann pilgern sie einfach nach Schongau und fragen sich dort durch, irgend jemand wird ihnen den Weg zu Suters Haus schon zeigen können, vielleicht ist er grad Zuhause...

ps 3: Werke von Margrit Schlumpf-Portmann 1931-2017 sind in der Sammlung Kunstmuseum Thurgau, diesjährige Gruppen-Ausstellung »gelobt, gepriesen vergessen«, vergangene Gruppen-Ausstellung »Schieflage eine Haltung« im Haus zur Glocke, Steckborn, Aktuell: Werke aus der Sammlung »KörperBilder« (1.9.22 – 26.2.23) Museum im Lagerhaus, Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut.

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